Guatemala

Guatemala

Nach Brasilien ist Guatemala das Land in Lateinamerika mit den größten Gegensätzen zwischen arm und reich. Eine kleine Oberschicht von Weißen und Ladinos verfügt über den Großteil des Nationaleinkommens, während über 75% der Gesamtbevölkerung in Armut leben. Ein Großteil hiervon sind Mayas. Obwohl das Leben der Indigénas seit Jahrhunderten einer – früher offensichtlichen, heute subtileren - Kolonialherrschaft unterliegt, ist es ihnen gelungen, bis in die Gegenwart wesentliche Teile ihrer Kultur zu bewahren.
Mehr als 80% der indigenen Bevölkerung leben in ländlichen Regionen. Da die Landwirtschaft nach wie vor eine der wichtigsten Einkommensquellen für die Maya darstellt, sind sie von Landmangel und ungerechter Landverteilung besonders betroffen. 90 % von ihnen leben von Einkünften weit unter der Armutsgrenze.
Eine Solidarität der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen untereinander ist in Guatemala wenig bis gar nicht vorhanden: Die Beziehungen zwischen Mayas und Ladinos sind von Geringschätzung bis hin zu offenem Rassismus bestimmt.

Knapp zwölf Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen Regierungsvertretern und der Führung der URNG stehen immer noch wesentliche Teile der Umsetzung der einzelnen Unterabkommen aus.
Geringe Fortschritte zeigen sich vor alllem:

  • bei der Entmilitarisierung von Staat und Gesellschaft: Die URNG ist als politische Partei zugelassen, Zwangsrekrutierungen finden nicht länger statt, die Zivilpatrouillen sind zumindest formal aufgelöst, und die lange verzögerte Armeereform scheint vor allem unter den Regierungen Berger und Colom vorangekommen zu sein.
  • Bei der Demokratisierung: auch wenn die Transformation längst nicht abgeschlossen ist, gibt es mehr politischen Pluralismus; Basisbewegungen können ihre Forderungen in zahlreichen Foren zum Ausdruck bringen; ein neues Wahl- und Parteiengesetz ist beschlossen

Nicht erfüllt sind dagegen wesentliche andere Punkte:

  • Das Abkommen über die Identität und Rechte der indigenen Bevölkerung wurde zu weiten Teilen nicht umgesetzt. Die Situation der Mayas hat sich nicht verbessert und sie bleiben nach wie vor von wichtigen politischen Entscheidungen ausgeschlossen.
  • Dem Abkommen über Menschenrechte zum Trotz hat sich die Menschenrechtssituation nicht verbessert: Menschenrechtsaktivisten werden bedroht, die Lynchjustiz grassiert, eine umfassende Justiz- und Polizeireform lässt auf sich warten, die Forderungen des REMHI Berichtes der katholischen Kirche, noch die Empfehlung der Wahrheitskommission zur Aufarbeitung des Bürgerkrieges wurden berücksichtig.
  • Die sozioökonomischen Reformen sind weitestgehend ausgeblieben. Die Landfrage bleibt ungelöst.
  • Die Justizreform bleibt aus. Straflosigkeit, Korruption und Kriminalität bestimmen stärker denn je den Alltag.
  • Nach wie vor ist das Land von Korruption durchzogen.

Fast zwölf Jahre nach Beendigung des Bürgerkrieges sehen sich die Menschen landesweit mit einer außerordentlichen Kriminalität konfrontiert. Verbreitete Hinrichtungen, Serienmorde, ungezählte Entführungen, Überfälle und gewalttätige Übergriffe vor allem auf Frauen erzeugen ein Klima der Gewalt, in dem das ineffiziente bzw. involvierte Justizwesen hilflos und vertuschend agiert. Die weitaus meisten Verbrechen bleiben ungeahndet; Täter haben kaum Strafe zu fürchten. Richter, Anwälte und Vertreter der Legislative werden bei Versuchen der Aufklärung von Verbrechen und kriminellen Strukturen selbst Opfer von Einschüchterungen, Bedrohungen und Attentaten. Guatemala Stadt gilt mittlerweile als gewalttätigste Stadt in Zentralamerika.
Besondere Aufmerksamkeit gilt gegenwärtig der Jugendkriminalität, der sog. „maras“, Jugendbanden, die mittlerweile in ganz Zentralamerika auf vielen Feldern wie Drogenhandel und Prostitution agieren.

In den vergangen Jahren haben die Basisorganisationen der Maya zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie vertreten gegenüber der Regierung und der gesamten Öffentlichkeit die Interessen der indigenen Bevölkerung, bspw. in Fragen des Friedensabkommens, der Durchführung sozioökonomischer Reformen oder der Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen. Die Bewegung ist aufgesplittert in unzählige Sachkomitees, Gewerkschaften, Kooperativen und Institute und deswegen ausgesprochen heterogen. Dennoch sind einzelne Gruppen auf lokaler und regionaler Ebene inzwischen ein ernstzunehmender politischer Machtfaktor.

Informationsquelle: InWent

 

 

 

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