Banken ziehen lücke: regulierungsbehörden im ki-rennen zurückgelassen

Die Finanzaufsichtsbehörden liegen den Banken und anderen Finanzinstituten bei der Einführung künstlicher Intelligenz (KI) deutlich zurück – und das obwohl die Risiken einer unkontrollierten Nutzung immer deutlicher werden. Eine neue Studie des Cambridge Centre for Alternative Finance zeigt: Über 80 Prozent der Finanzdienstleister setzen bereits auf KI, ein beachtlicher Anteil – 52 Prozent – experimentiert sogar mit agentischer KI.

Regulierungsbehörden im hintergedanken?

Im Gegensatz dazu befinden sich die 130 beteiligten Aufsichtsbehörden noch in der Erkundungsphase. Lediglich 48 Prozent prüfen derzeit die KI-Nutzung oder sind ihr nicht aktiv verpflichtet. Diese Diskrepanz verschärft die Bedenken hinsichtlich der Überwachung. Die jüngsten Berichte über das Mythos-Modell von Anthropic, das in der Lage ist, menschliche Hacker in einigen Szenarien zu übertreffen, werfen erneut Fragen auf, ob eine manuelle Überwachung der KI-Nutzung im Finanzsektor überhaupt praktikabel ist.

Software Engineering ist derzeit die reifste KI-Anwendung im Finanzbereich, birgt aber gleichzeitig ein erhebliches Cyberrisiko. Laut der Studie identifizierten 48 Prozent der Befragten Adversarial AI als größte Sorge. Die Untersuchung zeigt auch eine klare Divergenz in der Risikobewertung. KI-Anbieter legen weniger Wert auf Bedrohungen durch Adversarial AI und Cyber- sowie Operationsresilienz als Finanzinstitute und Regulierungsbehörden. Diese Diskrepanz, die in dem Bericht als „bemerkenswerter Wahrnehmungsunterschied“ beschrieben wird, unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden und koordinierten Herangehensweise.

Effizienzsteigerung, nicht revolution

Effizienzsteigerung, nicht revolution

Eine zentrale Erkenntnis des Berichts ist, dass die bisherigen Effekte der KI-Einführung vor allem auf Effizienzsteigerungen beschränkt sind und keine grundlegenden Veränderungen der Geschäftsmodelle bewirkt haben. Fintechs liegen in der Anwendung von KI im Kundenservice bereits vor den etablierten Unternehmen – 76 Prozent der großen Finanzinstitute haben Schwierigkeiten, den Wert von KI-Implementierungen zu messen.

Die meisten Unternehmen bauen auf externe KI-Modelle auf, anstatt eigene Modelle von Grund auf neu zu entwickeln. OpenAI ist dabei der am häufigsten verwendete Foundation-Model-Anbieter, genutzt von 76 Prozent der Industrie und 48 Prozent der Regulierungsbehörden, gefolgt von Google und Anthropic. Kieran Garvey von Cambridge Centre for Alternative Finance betont: „Diese Studie zeigt einen Sektor in einer klaren Transformation. KI liefert bereits jetzt deutliche Effizienzsteigerungen – in den Abläufen, in der Softwareentwicklung und im Kundenkontakt – und fortschrittliche Nutzer beginnen, sie für die Entwicklung völlig neuer Finanzprodukte zu nutzen.“

Risiken im auge behalten

Allerdings sind die gleichen Fähigkeiten, die diese Effizienz ermöglichen, auch Risiken durch Halluzinationen, Verzerrungen, mangelnde Transparenz, fehlbare Erklärbarkeit, Hetzen, Abhängigkeit von Drittanbietern und gegnerische Bedrohungen schaffen oder verstärken. Wie wir diese Risiken gemeinsam managen und mindern, wird die zukünftige Entwicklung der digitalen Finanzdienstleistungen prägen. Die Datenprivatsphäre und -schutz rangieren weiterhin an der Spitze der wahrgenommenen KI-Risiken, genannt von 73 Prozent der Befragten. Dabei können sensible Daten das Ziel von Cyberangriffen sein, die durch die genannten Schwachstellen entstehen.

Fazit: vorsicht vor der illusion

Die Studie verdeutlicht, dass die rasante Einführung von KI noch nicht zu einer grundlegenden Transformation des Finanzsektors geführt hat. Stattdessen konzentrieren sich die bisherigen Effekte auf Effizienzsteigerungen. Dies sollte als Warnsignal dienen und die Notwendigkeit einer sorgfältigen Risikobewertung und einer umfassenden regulatorischen Strategie unterstreichen. Die Finanzwelt muss sich der Risiken bewusst sein, die mit der zunehmenden Verbreitung von KI einhergehen – und zwar bevor es zu spät ist.