Cannabis-revolution: doj-entscheidung schickt branche in die höhe

Eine fundamentale Verschiebung hat im Cannabis-Bereich stattgefunden – und das mit weitreichenden Konsequenzen für die gesamte Industrie. Im April erteilte das US-Justizministerium (DOJ) eine Neuregelung für medizinische Cannabis-Produkte, die diese von Schedule I – wie Heroin oder LSD – auf Schedule III hob. Dieser Schritt, vergleichbar mit der Behandlung von Anabolika oder bestimmten Schmerzmitteln, eröffnet den Cannabisunternehmen endlich die Tür zu regulären Geschäftsvoranschlägen.

Der schlüssel zur steuererleichterung

Die unmittelbare Folge dieser Neuregelung ist die Möglichkeit für Cannabis-Unternehmen, endlich ihre regulären Betriebsausgaben geltend zu machen. Bisher waren sie durch den 280E-Absatz des Innensteuerrechnungsgesetzes, der Cannabis-Unternehmen eine besondere Steuerbehandlung vorschreibt, daran gehindert. Das war ein enormer Nachteil, der die Rentabilität massiv beeinträchtigte.

Zweite welle der neuregelung ab juni

Zweite welle der neuregelung ab juni

Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Am 29. Juni beginnen die Anhörungen, die sich mit der möglichen Neuregelung des Cannabis für den Konsum außerhalb der Medizin befassen. Eine Klassifizierung als Schedule II würde zu weiteren Steuervorteilen für Unternehmen führen, die sowohl medizinische als auch Konsumbereiche bedienen. Diese Entwicklung hätte einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.

Kritik und unsicherheiten bleiben bestehen

Kritik und unsicherheiten bleiben bestehen

Trotz der positiven Nachrichten gibt es weiterhin Herausforderungen. Drei Bundesstaaten – Indiana, Louisiana und Nebraska – haben eine Klage beim US-Verwaltungsgericht in Washington, D.C. eingereicht, in der sie die DOJ-Entscheidung als Verstoß gegen das US-Verwaltungsrecht und internationale Drogenkontraktate anfechten. Auch die Frage, wie die unbezahlten Steuerschulden aus der Vergangenheit unter dem 280E-Paragraph behandelt werden sollen, ist noch nicht geklärt. Hinzu kommt, dass der sogenannte SAFER Banking Act, der Cannabis-Unternehmen den Zugang zu regulären Bankdienstleistungen ermöglichen würde, bisher keine Fortschritte gemacht hat.

Aktienkurse explodieren, doch vorsicht ist geboten

Aktienkurse explodieren, doch vorsicht ist geboten

Die Aktienkurse von zwei der größten Multi-State-Operatoren, Trulieve (TCNNF) und Curaleaf (CURLF), sind in den letzten drei Monaten um mehr als 90 bzw. 70 Prozent gestiegen. Experten empfehlen jedoch, auf weniger riskante Aktien mit besseren Bilanzkennzahlen zu setzen: Green Thumb Industries (GTBIF) und Tilray Brands (TLRY). Green Thumb Industries beeindruckt mit einem soliden Geschäftsmodell und einer profitablen Bilanz – ein ungewöhnlicher Zustand in der Branche. Tilray hingegen profitiert von seiner internationalen Expansion und der Diversifizierung in den Bereichen Getränke.

Green thumb: der solide kandidat

Mit 110 RISE Dispensaries in 14 Märkten bietet Green Thumb Industries eine ähnliche Skalierung wie Trulieve und Curaleaf, jedoch mit einer deutlich besseren finanziellen Disziplin. Das Unternehmen hat in den letzten sieben Quartalen sechs Mal Profit erwirtschaftet – eine Leistung, die Curaleaf und Trulieve nicht vorweisen können. Mit einem Gesamtverschuldung von 289,9 Millionen Dollar und 344,5 Millionen Dollar an liquiden Mitteln verfügt Green Thumb über eine solide finanzielle Basis.

Tilray: das internationale potenzial

Tilray, mit Sitz in Kanada, agiert bereits international in Kanada, Europa und im US-amerikanischen Getränkemarkt. Eine Lockerung der US-Regulierungen würde Tilrays Wachstumspotenzial enorm steigern. Die Investition in Craft-Beer-Marken von Anheuser-Busch und die Akquisition von BrewDog haben Tilray eine rechtssichere Vertriebsinfrastruktur in den USA verschafft – ideal, um THC- und CBD-basierte Getränke zu vermarkten. Der Pilotprogramm mit der Centers for Medicare and Medicaid Innovation bietet zudem die Möglichkeit, Cannabis-Produkte an Patienten über medizinische Einrichtungen zu vertreiben. Tilrays jüngstes Quartal verzeichnete ein Umsatzwachstum von 11 Prozent und ein Gewinnwachstum von 75 Prozent. Das Unternehmen hat zudem seine EBITDA-Guidance für das Gesamtjahr auf 62 bis 72 Millionen Dollar bestätigt.

Fazit: tilray – ein unterschätzter player

Obwohl Tilray derzeit noch keinen Cannabis in den USA verkauft, wird das Unternehmen von anderen großen Cannabis-Händlern unterschätzt. Dank seines Wachstums im internationalen Geschäft und seiner Marketingerfahrung im US-amerikanischen Getränke-Sektor verfügt Tilray über die Voraussetzungen, um von neuen Chancen in den USA zu profitieren. Der aktuelle Aktienkurs von 4,94 Dollar ist attraktiv, da das Unternehmen ein niedriges Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,541 aufweist – deutlich unterhalb der Werte von Trulieve, Curaleaf und Green Thumb Industries.