Künstliche intelligenz: wer profitiert wirklich vom boom?
Der Hype um Künstliche Intelligenz (KI) hält den Aktienmarkt in Atem. Doch während die Nachfrage nach KI-Hardware explodiert, verhalten sich die Aktien der sogenannten Hyperscaler – die Betreiber riesiger Rechenzentren – oft überraschend anders. Eine Diskrepanz, die Investoren jetzt genau unter die Lupe nehmen sollten.
Die hardware-giganten im fokus
Die KI-Revolution wird von einer enormen Nachfrage nach spezialisierter Hardware angetrieben. Nvidia ist hier zweifellos der klare Gewinner, dessen Grafikprozessoren (GPUs) zum Industriestandard für das KI-Modelltraining geworden sind. Aber auch AMD gewinnt zunehmend an Boden, insbesondere im Bereich der Inferenz-Workloads. Cerebras Systems, frisch an der Börse, versucht mit einzigartigen Chip-Angeboten, den Markt aufzumischen, auch wenn es sich derzeit noch um eine Nischenlösung handelt. Intel und Arm Holdings setzen auf die Datenzentrum-CPU-Märkte, während Broadcom und Marvell von der Entwicklung eigener KI-Chips durch große Technologieunternehmen profitieren – und gleichzeitig die Netzwerkinfrastruktur dafür liefern.
Doch hier kommt der Knackpunkt: Die Hyperscaler – Branchenriesen wie Amazon, Microsoft und Alphabet – sind nicht nur Abnehmer dieser Hardware, sondern auch die großen Investoren in den Ausbau der Rechenzentren. Und genau hier zeigt sich die Problematik. Investoren bestrafen diese Unternehmen oft dafür, dass sie so viel Geld in die KI-Infrastruktur pumpen. Die Frage ist: Lohnt sich diese Investition?

Die hyperscaler: mehr als nur ausgabenschweine
Die großen Cloud-Anbieter verfügen über starke Geschäftsmodelle, die weit über den reinen Cloud-Computing hinausgehen. Amazon hat seinen enormen E-Commerce-Bereich, Alphabet dominiert mit der Google-Suche, und Microsoft punktet mit Enterprise-Software. Alle drei Unternehmen generieren enorme Mengen an operativem Cashflow, der es ihnen ermöglicht, diese Investitionen zu tätigen. Und was noch wichtiger ist: Wenn die KI-Infrastruktur nicht die erwarteten Renditen abwirft, können sie jederzeit die Reißleine ziehen und den Ausbau reduzieren – was dann wiederum zu einem massiven Anstieg des freien Cashflows führen würde.
Meta Platforms, das ebenfalls massiv in KI-Infrastruktur investiert (vor allem für den eigenen Gebrauch), hat in seinem Social-Media-Geschäft zuletzt starke Umsatzzuwächse verzeichnet. Und kürzlich gab das Unternehmen bekannt, dass es erwägt, in den Cloud-Computing-Markt einzusteigen, indem es ungenutzte Rechenzentrenkapazitäten vermietet. Ein interessanter Schachzug, der das Unternehmen noch widerstandsfähiger machen könnte.

Die entscheidung: infrastruktur oder hyperscaler?
Die KI-Hardware-Aktien haben bisher die Gunst der Investoren genossen. Doch letztendlich sind es die Hyperscaler, die das größte Potenzial bieten. Sie haben zwei Möglichkeiten, zu gewinnen: Entweder sie erzielen gute Renditen auf ihre Investitionen und setzen den Ausbau fort, oder sie reduzieren die Ausgaben und generieren dadurch einen enormen freien Cashflow. Ich persönlich favorisiere daher diesen Ansatz. Besonders Alphabet und Amazon gefallen mir, da beide von Kostenvorteilen durch den Einsatz eigener KI-Chips profitieren. Auch Meta Platforms und Microsoft scheinen derzeit unterbewertet. Natürlich können auch die KI-Hardware-Aktien weiterhin gut performen, insbesondere Nvidia, AMD und Broadcom. Dennoch könnte der Markt die anhaltende Stärke des DRAM-Superzyklus, von dem Micron profitiert, unterschätzen. Die Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory (HBM) explodiert, was zu Engpässen und steigenden Preisen führt – ein Segen für die entsprechenden Hersteller.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Markt für HBM wird bis 2027 voraussichtlich auf 13 Milliarden US-Dollar anwachsen. Das ist ein Zeichen dafür, dass der KI-Boom noch lange nicht am Ende ist.
