Rwc asset advisors verlässt li auto: ein warnsignal für investoren?
Ein unerwarteter Schritt hat für Aufsehen in der Finanzwelt gesorgt: Der US-amerikanische Vermögensverwalter RWC Asset Advisors hat seine Beteiligung an dem chinesischen Elektroautohersteller Li Auto (LI) vollständig liquidiert. Die Entscheidung, die im Rahmen einer SEC-Einreichung vom 17. Februar 2026 bekannt wurde, wirft Fragen nach der Zukunft des Unternehmens und der Attraktivität des chinesischen EV-Marktes auf.
Ein rückzug mit erheblichen auswirkungen
RWC Asset Advisors reduzierte seine Li Auto-Position nicht nur, sondern veräußerte sämtliche 1.638.544 Aktien im vierten Quartal 2025. Bei einem durchschnittlichen Aktienkurs von rund 20 US-Dollar belief sich der Transaktionswert auf schätzungsweise 33 Millionen US-Dollar. Im Vergleich dazu hatte der Wert der Position im vorherigen Quartal noch bei 41,5 Millionen US-Dollar gelegen. Das bedeutet einen deutlichen Wertverlust und ein Signal, das viele Investoren nicht übersehen werden.
Die Entscheidung des Fondsverwalters ist besonders bemerkenswert, da Li Auto in seinem Portfolio zuvor eine Gewichtung von 6,8 % darstellte. Aktuell gehören mit SQM (Sociedad Química y Minera de Chile), Vale und EMBJ (iShares J.P. Morgan USD Emerging Markets Bond ETF) jedoch andere, fundamental stärkere Anlageobjekte zum Portfolio von RWC. Die Top-Positionen umfassen nun SQM mit 100,6 Millionen US-Dollar (19,1 % des verwalteten Vermögens), gefolgt von Vale mit 85,0 Millionen US-Dollar (16,1 %), EMBJ mit 79,8 Millionen US-Dollar (15,1 %), GFI (Great Frontier Capital) mit 75,6 Millionen US-Dollar (14,3 %) und BABA (Alibaba Group) mit 66,0 Millionen US-Dollar (12,5 %). Diese Diversifizierung unterstreicht die strategische Neuausrichtung des Fonds.
Die Aktie von Li Auto hat in den letzten 12 Monaten um 38 % an Wert verloren und damit die Performance des S&P 500 um 56 Prozentpunkte unterbieten. Der Aktienkurs notierte am 19. März 2026 bei 17,10 US-Dollar. Das Unternehmen selbst kämpft mit Herausforderungen: Der jüngste Bericht über die Geschäftszahlen blieb hinter den Erwartungen zurück, wobei der Umsatz um 35 % und die Fahrzeugauslieferungen um 31 % sanken.
Kritische faktoren und mögliche gründe
Der chinesische EV-Sektor befindet sich in einer schwierigen Phase. Intensiver Wettbewerb im Inland, eine schwächere Nachfrage im Premiumsegment als erwartet und die anhaltende Unsicherheit im Zusammenhang mit den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China belasten die Branche. Für einen international ausgerichteten Fonds wie RWC, der in Rohstoffunternehmen wie SQM und Vale investiert, könnte der vollständige Ausstieg aus einer angeschlagenen chinesischen EV-Marke ein Zeichen für eine strategische Neuausrichtung hin zu Rohstoffinvestitionen oder eine einfache Neubewertung der Erfolgsaussichten von Li Auto sein.
Es ist wichtig zu betonen, dass der Verkauf einer Position nicht zwangsläufig einen pessimistischen Ausblick auf das Unternehmen impliziert. Portfolioanpassungen, Risikomanagement und Rücknahmeaktivitäten können ebenfalls Verkäufe auslösen. Dennoch wiegt die vollständige Liquidierung einer Beteiligung von fast 7 % in einem schwächelnden Unternehmen mehr als eine routinemäßige Reduzierung. Investoren, die weiterhin Li Auto halten oder eine Position in Erwägung ziehen, sollten dieses Votum des Vertrauensverlusts durch einen institutionellen Investor sorgfältig abwägen, bevor sie entscheiden, ob der aktuelle Preis ein Schnäppchen oder ein Warnsignal darstellt. Die Zeichen stehen nicht gut.
