S&P 500 erreicht historische Höchststände – Experten warnen vor gefährlicher Bewertung

Der Aktienmarkt ist statistisch gesehen der größte Wertschöpfungstreiber der Welt. Im Vergleich zu den annualisierten Renditen von Anleihen, Rohstoffen und Immobilien liegen die durchschnittlichen jährlichen Renditen des zeitlosen Dow Jones Industrial Average (^DJI +0,53%), des Referenz-S&P 500 (^GSPC +0,70%) und des technologiegetriebenen Nasdaq Composite (^IXIC +1,00%) deutlich höher. Die historische Performance, so zeigt sich, kann ein mächtiges Lehrmittel sein – und in diesem Fall ein deutliches Warnsignal.

Zweiteiliger Rekord: S&P 500 erreicht beispiellose Markierungen

Die aktuelle Entwicklung ist bemerkenswert: Der Dow Jones, der S&P 500 und der Nasdaq Composite notierten bereits seit Anfang Juni auf Rekordhoch. Der Markt hat nun eine – bislang nur sechs Mal seit Januar 1871 – beispiellose Markierung erreicht. Die vorherigen fünf Vorkommnisse dienen als düstere Vorahnung für Wall Street und Investoren gleichermaßen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Die Beobachtungen der letzten 155 Jahre zeigen ein Muster: Nach einem Anstieg, der auf eine überhöhte Bewertung hindeutet, folgt fast immer eine Korrektur. Die Historie ist hierbei ein unerbittlicher Lehrer.

Shiller-PE-Ratio: Ein Blick über den Tellerrand

Shiller-PE-Ratio: Ein Blick über den Tellerrand

Im Moment erleben wir eine solche historische Phase. Neben dem Aufstieg der Dow, S&P 500 und Nasdaq Composite ist die Bewertung der Aktienmärkte alarmierend hoch. Die steigende Höhe der Outstanding Margin-Schuld und die Aussicht auf höhere Zinsen, die den Ausbau der Rechenzentren für künstliche Intelligenz bremsen könnten, sind derzeit die Hauptkritikpunkte. Doch im Kontext der Geschichte ist die Bewertung der entscheidende Faktor. Die meisten Investoren verlassen sich auf das bewährte Price-to-Earnings (P/E)-Verhältnis zur Bewertung von Unternehmen oder des Gesamtmarktes. Dieses Verhältnis ist jedoch anfällig für Rezessionen, die zu negativen Earnings per Share (EPS) führen können. Ein robusteres Instrument ist das Shiller P/E Ratio, auch Cyclically Adjusted P/E Ratio (CAPE Ratio) genannt. Dieses berücksichtigt die durchschnittlichen Gewinne der letzten zehn Jahre und ist somit weniger anfällig für zyklische Schwankungen.

Das Shiller P/E Ratio wurde erstmals vor weniger als 40 Jahren von Ökonomen eingeführt und seitdem auf die 155-jährige Zeitreihe zurückverfolgt. Der durchschnittliche Wert liegt bei 17,4. Doch aktuell notiert das S&P 500 mit einem Shiller P/E von fast 40,5 – das höchste Niveau seit der Dotcom-Blase.

Vergleich mit der Dotcom-Blase: Ein düsteres Echo

Vergleich mit der Dotcom-Blase: Ein düsteres Echo

Historisch gesehen hat das Shiller P/E Ratio in sechs Fällen seit Januar 1871 einen Wert von über 30 erreicht, während gleichzeitig ein bullischer Markt von mindestens zwei Monaten anhielt. Die vorherigen fünf Vorkommnisse endeten allesamt mit einem dramatischen Absturz. Die Aktienmärkte verloren 89% ihres Wertes im August/September 1929, 49% während der Dotcom-Blase (1997-2001) und 20% im Quartal 4 2018. Auch die COVID-19-Krise führte zu einem Einbruch von 34% in nur 33 Tagen. Der aktuelle Stand, mit einem Shiller P/E von 42,84, erinnert an diese historischen Warnungen. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Korrektur ist – angesichts der historischen Daten – hoch.

Optimismus trotz Warnsignalen

Optimismus trotz Warnsignalen

Obwohl die Shiller P/E-Ratio eine düstere Vorhersage trifft, zeigen die historischen Daten, dass langfristig optimistisch investieren sich langfristig auszahlt. Die typische Bearningsperiode dauert durchschnittlich 9,5 Monate, während die Spitze der Bullenmärkte deutlich länger andauert – etwa 3,6 Mal so lange wie die durchschnittliche Bärenphase. Die aktuelle Bullenphase, die bereits die neunte längste in der Geschichte des S&P 500 ist, übertrifft die bisherige Rekordphase von 1324 Tagen. Die Investition in den Aktienmarkt ist, statistisch gesehen, eine sichere Wette – vorausgesetzt, man betrachtet die langfristigen Trends.