Oracle setzt auf ki-wende: aktienkurs stürzt ab – ist ein kauf?

Die Aktie des Software-Giganten Oracle erlebt ein Jahr 2026, das die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt hat. Selbst etablierte Technologiekonzerne kämpfen mit sinkenden Aktienkursen. Der Kursverlust von Oracle, der seit Jahresbeginn um rund 21 % eingebrochen ist, ist besonders bemerkenswert. Die Ursache: Investoren befürchten, dass das Unternehmen – mit seinen traditionellen Datenbanklösungen – von der disruptiven Kraft der künstlichen Intelligenz (KI) überrollt wird.

Ki-revolution bedroht datenbankriesen

Doch Oracle setzt auf eine radikale Kehrtwende. Das Unternehmen verschiebt den Fokus von klassischen Datenbanken und Software-as-a-Service (SaaS)-Angebote hin zu einem KI-lastigen Geschäftsmodell. Ein ambitionierter Schachzug, der jedoch mit enormen finanziellen Aufwendungen verbunden ist.

Die Zahlen sprechen für sich: Oracle hat seine Ausgaben für Investitionen im laufenden Geschäftsjahr drastisch erhöht – auf 50 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als das Doppelte der Summe von 2022. Der Free Cashflow (FCF) ist dabei ein negativer Wert. Die Schuldenlast ist um fast 50 % auf über 148 Milliarden US-Dollar gestiegen. Trotzdem erwartet Oracle für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von 67 Milliarden US-Dollar und prognostiziert für das Folgejahr bereits 90 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage nach den KI-Rechenzentren ist enorm. Ein wichtiger Auftraggeber ist das Stargate-Projekt, eine staatlich geförderte Initiative zur Stärkung der US-Führerschaft im Bereich KI. Oracle hat sich unter anderem dazu verpflichtet, OpenAI, dem Entwickler von ChatGPT, umfangreiche Rechenkapazitäten zur Verfügung zu stellen.

Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Entwicklung von KI-Agenten – die nächste Generation von KI-Modellen, die Aufgaben autonom erledigen können. Zudem plant Oracle, „sovereign AI“-Lösungen für Regierungen zu entwickeln, bei denen die Daten innerhalb der eigenen IT-Infrastruktur verbleiben. Durch den Einsatz von KI-basierter Codierung will das Unternehmen zudem Kosten senken. Die Projektpipeline ist beeindruckend: Der Auftragsbestand stieg im letzten Quartal um 325 % auf 553 Milliarden US-Dollar. Doch trotz dieser Entwicklung sieht sich Oracle nicht als die attraktivste Aktie im KI-Bereich.

Geldgeier ellison setzt auf die zukunft

Der Gründer des Unternehmens, Larry Ellison, hält weiterhin einen bedeutenden Anteil an Oracle. Sein Vertrauen in die strategische Ausrichtung des Unternehmens ist somit ein wichtiger Faktor. Nach Jahren der relativen Stabilität ist Oracle nun eine der größten Wagnisse im Technologiesektor. Die frühere Erfolgsgeschichte im Datenbankbereich ist ein Beweis für die Fähigkeit des Unternehmens, sich an Veränderungen anzupassen. Die Frage ist, ob Oracle in einem hart umkämpften Markt mit anderen Datenzentrumsbetreibern und großen Technologiekonzernen bestehen kann.

Wer jetzt in Oracle investiert, sollte sich bewusst sein, dass die Zukunft ungewiss ist. Die Aktie ist zwar günstiger geworden, aber ob sie tatsächlich das beste Wertangebot im KI-Bereich darstellt, ist fraglich. Die Analyse von The Motley Fool zeigt, dass Oracle aktuell nicht zu den Top-Empfehlungen gehört. Wer jedoch auf langfristiges Wachstum setzt, könnte bei Oracle eine Chance sehen. Die Aktie hat bereits in der Vergangenheit beeindruckende Sprünge hingelegt. Die Technologiebranche ist dynamisch, und Oracle hat schon oft bewiesen, dass sie sich an neue Entwicklungen anpassen kann. Die Geschichte zeigt, dass frühe Investitionen in disruptive Technologien immense Gewinne bringen können. So hätte eine Investition von 1.000 Dollar in 2004 in Netflix heute über 494.000 Dollar wert sein können – und in 2005 in Nvidia sogar über 1.094.000 Dollar.

Die Zahlen sprechen für sich: Oracle hat sich neu erfunden. Doch die KI-Revolution ist noch lange nicht abgeschlossen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich die Wende zum KI-Unternehmen für Oracle auszahlt oder ob die Aktie weiterhin unter Druck gerät. Die hohe Verschuldung und die negativen Cashflows sind dabei nicht zu unterschätzen.

Die Abhängigkeit vom Erfolg des Stargate-Projekts ist ein Risiko, sollte dieses Projekt scheitern. Der Wettbewerb in der KI-Infrastruktur ist hart, und es werden sich weitere Akteure auf dem Markt etablieren. Die Investition in KI-Rechenzentren ist eine hohe Investition, die erst langfristig Früchte tragen wird.

Die Aktie ist ein Spiegelbild des Wandels, der die gesamte Technologiebranche erfasst. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem die Gewinner diejenigen sein werden, die sich am schnellsten anpassen.