Krypto-gesetz: ein geschenk für die großen, ein schlag für die kleinen?

Die krypto-community ist gespalten

Die Veröffentlichung des neuen Gesetzesentwurfs zur Marktstruktur für Kryptowährungen hat in der Krypto-Szene für wenig Jubelstimmung gesorgt. Während viele die neuen Regeln ablehnen, äußern andere Bedenken, dass das Gesetz vor allem großen Krypto-Firmen zugutekommt, die eigentlich die Interessen der gesamten Branche vertreten sollten. Der 278-seitige Entwurf, vorgelegt vom Senatsausschuss für Bankwesen, soll den Weg für klarere Regeln im digitalen Vermögensmarkt ebnen, doch die Reaktion war prompt und kritisch.

Bank-lobbyismus im visier

Bank-lobbyismus im visier

Ein Großteil der Kritik richtet sich gegen den vermeintlichen Einfluss der Bankenlobby. Viele Beobachter sehen in dem Gesetz Anzeichen dafür, dass die Interessen traditioneller Finanzinstitute über die der Krypto-Branche gestellt werden. Besonders umstritten sind die Regelungen bezüglich der Zinserträge für Stablecoins, die Unternehmen daran hindern sollen, Zinsen für das Halten von Guthaben zu zahlen und die Reichweite von Belohnungsprogrammen einschränken.

Coinbase und circle: die großen gewinner?

Während kleinere Akteure unter den neuen Auflagen leiden könnten, scheinen Coinbase und Circle besonders gut positioniert zu sein. Laut Experten könnten sie von den neuen Regeln profitieren, da sie bereits über die notwendige Infrastruktur und Ressourcen verfügen, um die strengen Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Dies wirft die Frage auf, wie kleinere Anbieter in diesem neuen regulatorischen Umfeld bestehen sollen. Aaron Day, Krypto-Unternehmer und Regulierungs-Kritiker, sieht hier eine massive Wettbewerbsverzerrung.

Compliance-last: nur die starken überleben

Der Gesetzesentwurf führt zu umfangreichen Compliance-Pflichten, darunter Echtzeit-Handelsüberwachung, erweiterte Anmeldepflichten und die Pflicht zur Nutzung qualifizierter Verwahrpersonen. Diese Maßnahmen erhöhen die Betriebskosten erheblich. Day argumentiert, dass nur etablierte Krypto-Firmen diese zusätzlichen Kosten tragen können, während kleinere Unternehmen benachteiligt werden. "Es ist eine Infrastruktur, die Coinbase bereits hat und die ein Startup in einer Garage sich nicht leisten kann."

Defi im kreuzfeuer

Besonders betroffen ist die Dezentrale Finanzen (DeFi)-Branche. Der Entwurf sieht vor, dass auch Entwickler von DeFi-Protokollen sich bei den Regulierungsbehörden anmelden müssen. Dies würde sie faktisch zu regulierten Unternehmen machen, anstatt zu neutralen Softwareentwicklern. Day warnt, dass dies den ursprünglichen Geist von DeFi – die Freiheit, ohne Genehmigung bauen und teilnehmen zu können – untergraben würde.

Nakamotos vision in gefahr?

Das Gesetz stellt auch einen direkten Konflikt mit der ursprünglichen Vision von Satoshi Nakamoto für Bitcoin dar. Nakamoto entwarf Bitcoin als ein Peer-to-Peer-Geldsystem zur Vermeidung von Vermittlern. Die neuen Regeln würden Transaktionen überwachen und mit ausländischen Behörden teilen, was die Privatsphäre untergraben und Bitcoin in etwas verwandeln könnte, das einer traditionellen Bank erinnert. "Man hat die Technologie behalten und die Philosophie weggeworfen," kritisiert Day.