Stagflation-angst übertrieben? kleine aktien und immobilien überraschten in den 70ern
Die Befürchtung einer Wiederholung der 1970er-Jahre-Stagflation – eine Zeit hoher Inflation und schwachem Wirtschaftswachstum – aufgrund des Konflikts im Iran und steigender Ölpreise ist momentan weit verbreitet. Doch die Geschichte zeigt: Nicht alle Anlageklassen leiden unter solchen Bedingungen. Die Narrative über die drohende Gefahr für Aktienportfolios könnte überzogen sein.
Während viele, die die 1970er-Jahre erlebt haben, nun im Ruhestand sind und daher wenig zur aktuellen Einschätzung beitragen können, offenbaren historische Daten eine überraschende Realität. Eine Analyse der Performance verschiedener Anlageklassen zwischen 1973 und 1982 zeigt, dass einige sogar über das inflationsbereinigte Wachstum hinausgingen.

Kleine aktien übertrafen die inflation
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der US-amerikanischen Small-Cap-Aktien. Diese übertrafen die Inflation im genannten Zeitraum um durchschnittlich 5,9 % pro Jahr. Im Gegensatz dazu lief der breit gefächerte S&P 500, der in den frühen 1970er-Jahren von stark wachstumsstarken Aktien dominiert wurde – die sogenannten «Nifty Fifty» – deutlich schlechter. Diese Aktien erlitten später massive Kursverluste.
Ein weiterer überraschender Gewinner war der US-amerikanische Wohnungsmarkt. Hier lagen die inflationsbereinigten durchschnittlichen jährlichen Renditen bei 5,5 %. Diese Zahl basiert auf einer umfassenden globalen Datenbank, die sowohl Wertsteigerungen als auch Mieteinnahmen berücksichtigt.
Gold hingegen fehlt in dieser Darstellung. Dies liegt hauptsächlich daran, dass US-Bürgern erst Ende 1974 der Besitz von Gold legal erlaubt wurde. Zudem ist ein Teil der Performance in den darauffolgenden Jahren auf eine hohe Nachfrage zurückzuführen, was die zukünftige Entwicklung unter ähnlichen Bedingungen möglicherweise verzerrt. Dennoch erzielte Goldbarren zwischen Ende 1974 und Ende 1982 eine inflationsbereinigte Rendite von 3,4 %, was unter der gesamten Rendite von Small-Cap-Aktien und Immobilien liegt.
Gold genießt einen Ruf als Inflationsschutz, doch Studien von Campbell Harvey von der Duke University und Claude Erb von TCW zeigen, dass diese Funktion nur über sehr lange Zeiträume – 100 Jahre und mehr – zuverlässig funktioniert.
Die Finanzmärkte reagieren auf den Konflikt im Iran derzeit auf unerwartete Weise. Während viele Experten eine erneute Stagflation befürchten, zeigt die historische Datenlage, dass die Performance von Anlageklassen nicht immer so vorhersehbar ist, wie angenommen. Eine milde Ironie: Diejenigen, die die 1970er-Jahre erlebt haben, sind nun weitgehend aus dem aktiven Handel ausgeschieden. Das macht die aktuelle Debatte um eine mögliche Wiederholung dieser Zeit so interessant – und vielleicht etwas übertrieben.
