Iran-krieg zwingt zentralbanken zu zinserhöhungen: ölpreise befeuern inflation – und bremsen wachstum

Die globale Wirtschaft steht vor einem Wendepunkt. Angesichts des Krieges im Iran, der die Ölpreise in neue Höhen treibt, drehen sich die Zinsen in den wichtigsten Wirtschaftsnationen schneller als erwartet nach oben. Die Notenbanken der USA, der Eurozone und Großbritanniens passen ihre Politik um, was die Aussichten auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik 2026 zunichte macht.

Ölpreise als katalysator für eine neue geldpolitische ära

Die Entscheidung der Federal Reserve, die Leitzinsen unverändert zu halten, war nur der oberste Teil eines größeren Wandels. Die Sorge, dass steigende Ölpreise die Lieferketten belasten und die inflation weiter anheizen, hat die Notenbanken in aller Welt zu einer Kehrtwende gezwungen. Weniger als drei Wochen zuvor hatten viele Marktbeobachter noch mit Zinssenkungen gerechnet. Doch der Krieg im Iran hat die Rechnung durcheinandergebracht. Analysten bei Barclays und J.P. Morgan erwarten nun Zinserhöhungen in der Eurozone bereits im April, gefolgt von weiteren Erhöhungen im Juni und Juli. Ähnliche Prognosen gibt es für Großbritannien, wo die Bank of England ebenfalls ihre Politik angepasst hat.

Die Situation ist komplex: Einerseits kämpfen die Zentralbanken mit hartnäckiger inflation, die durch den Krieg zusätzlich befeuert wird. Andererseits zeigen sich Anzeichen einer schwächeren Konjunktur, mit einem leicht abkühlenden Arbeitsmarkt und einem verlangsamten Wachstum. Diese gegensätzlichen Kräfte zwingen die Geldpolitiker zu einem schwierigen Balanceakt.

Die USA stehen besonders im Fokus. Die Fed hatte sich zuvor auf eine moderate Neutralität festgelegt, doch die jüngsten Entwicklungen haben diese Prognose in Frage gestellt. Ein einzelner Zinssenkungsschritt im Jahr 2026, wie noch im Dezember prognostiziert, erscheint nun unwahrscheinlich. Analysten wie Michael Feroli von J.P. Morgan erwarten stattdessen eine Zinswende erst 2027.

Die Eurozone ist besonders anfällig für die Auswirkungen der Ölpreise, da sie stark auf Importe angewiesen ist. Die Sorge ist real: Die inflationkönnte sich weiter verstärken, was die wirtschaftliche Erholung verzögert. Die Entscheidungen der Zentralbanken werden daher eng beobachtet, denn sie bestimmen maßgeblich den Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die neue Realität ist klar: Die Geldpolitik wird sich an die geopolitischen Risiken anpassen müssen. Der Krieg im Iran hat nicht nur die Ölpreise in die Höhe getrieben, er hat auch die wirtschaftliche Planung auf den Kopf gestellt. Die Weltwirtschaft steht vor einer Phase der Unsicherheit, in der die Notenbanken versuchen, die Inflation zu zügeln, ohne das Wachstum zu gefährden. Und diese Aufgabe ist alles andere als einfach.