Tarifenkrisse: rückerstattungen, klagen und neue zölle rügen die us-handelspolitik
Ein einschneidender Beschluss des US-Obersten Gerichtshofs hat die Zölle unter dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) für ungültig erklärt und eine Lawine von Rückerstattungsklagen ausgelöst. Unternehmen stehen vor der schwierigen Aufgabe, ihre Zollstrategien neu zu bewerten, wie Experten auf einem kürzlich stattgefundenen Webinar von Dykema, einer nationalen Anwaltskanzlei aus Detroit, betonten.

Zollbestimmungen unter ieepa für ungültig erklärt
Das Urteil des Obersten Gerichtshofs besagt, dass der Präsident nicht die Befugnis hat, Zölle zu erheben, wenn der IEEPA nicht ausdrücklich die entsprechende gesetzliche Grundlage dafür bietet. Die Richter argumentierten, dass das Wort „regulieren“ im IEEPA nicht die Befugnis zur Erhebung von Zöllen einschließt, die als eine Form der Besteuerung gelten und somit eine ausdrückliche Genehmigung des Kongresses erfordern.
Die Auswirkungen sind gravierend: Zölle auf Importe aus China, Kanada, Mexiko und zahlreichen anderen Ländern, die insgesamt Hunderte von Milliarden Dollar umfassen, sind nun in Frage gestellt. Unternehmen bereiten sich auf einen komplexen Prozess vor, um Rückerstattungen für bereits gezahlte Zölle zu beantragen.
Die Rückerstattungsforderungen belaufen sich auf schätzungsweise 166 Milliarden US-Dollar – eine Summe, die die bisher größten Rückerstattungsfälle, wie den Harbor Maintenance Tax Case mit rund 2,8 Milliarden Dollar, bei Weitem übersteigt. Die Customs and Border Protection entwickelt ein neues elektronisches System zur Bearbeitung dieser Anträge, doch die Umsetzung wird aufgrund der schieren Datenmenge – über 70 Millionen Einfuhrposten, die geprüft werden müssen – eine enorme Herausforderung.
Ein zentraler Punkt für Importeure ist der Status ihrer Einfuhrposten: Sind sie bereits abgewickelt, kürzlich abgewickelt oder noch in der Abwicklung? Dies bestimmt, ob ein automatischer Rückerstattungsanspruch besteht oder ob Proteste oder Klagen eingereicht werden müssen, um die Rechte zu wahren. Importeure haben in der Regel 180 Tage nach der Abwicklung Zeit für Proteste.
Während die Klärung der Rückerstattungsfrage im Vordergrund steht, bleibt unklar, ob die Rückerstattungen auf Unternehmen beschränkt werden, die Klage vor dem Court of International Trade erhoben haben, oder ob sie sich auf alle Importeure mit entsprechenden Einfuhrposten erstrecken. Die Regierung argumentiert für eine Begrenzung auf Klageersteiger, während der Court of International Trade eine breitere Anwendung in Betracht zieht.
Trotz des Urteils wird
die Bedeutung von Zöllen für die US-Handelspolitik nicht geringer werden. Zukünftig werden sie voraussichtlich unter traditionellen Rechtsgrundlagen wie Section 232, Section 301 und Section 201 erhoben, die formelle Untersuchungen und administrative Prozesse erfordern. Die Trump-Administration hatte bereits eine vorübergehende globale Importzuschlag gemäß Section 122 des Trade Act erhoben, und weitere Maßnahmen im Bereich der nationalen Sicherheit, Industriepolitik und Handelsdurchsetzung sind zu erwarten. Unternehmen sollten sich auf anhaltende Veränderungen in der Handelspolitik einstellen.Was sollten Unternehmen jetzt tun? Die Experten empfehlen, den Abwicklungsstatus der Einfuhrposten zu verfolgen, Rückerstattungsrechte durch Proteste oder Klagen zu wahren, Verträge auf Regelungen zur Kostenteilung zu überprüfen und Lieferketten hinsichtlich zukünftiger Zölle zu analysieren. Die Zeit drängt.
Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs hat nicht nur Rückerstattungsklagen ausgelöst, sondern eine tiefe Unsicherheit in der Handelslandschaft geschaffen. Die Auswirkungen werden noch lange zu spüren sein, während Unternehmen versuchen, sich in diesem neuen Umfeld zurechtzufinden. Die Frage ist nicht, ob sich die Handelskriege beenden, sondern wie sie sich neu formen werden – und welche Unternehmen in der Lage sein werden, diese Veränderungen zu meistern.
